Wenn sich deine Haut nach dem Duschen spannt, trocken oder unangenehm anfühlt und deine Feuchtigkeitspflege, dein Reiniger oder dein Duschgel nicht das Problem zu sein scheinen, lohnt sich ein Blick auf das Wasser.
Die meisten Menschen probieren monatelang ein Produkt nach dem anderen, bevor sie das Wasser hinterfragen. Genau das habe ich getan, als ich von Seoul nach Berlin gezogen bin. Das Wasser in Seoul ist weich; das Berliner Wasser gilt als hart, mit stadtweit rund 14 °dH (etwa 250 mg/l, berechnet als Calciumcarbonat). An meiner Routine hatte sich nichts geändert, wohl aber am Wasser, mit dem ich mich abspülte.
Hartes Wasser ist in vielen europäischen Städten verbreitet. Der Großteil Südostenglands einschließlich London wird mit hartem Wasser versorgt, ebenso Berlin und Paris. Wer aus einer Stadt mit weichem Wasser in eine mit hartem Wasser zieht, erlebt den Wechsel oft plötzlich und irritierend.
Hier ist, was die Studienlage tatsächlich sagt, und wo sie aufhört.
Was hartes Wasser mit der Haut macht
Hartes Wasser enthält erhöhte Konzentrationen von gelöstem Calcium und Magnesium. Diese Mineralien sind unbedenklich zu trinken. Auf der Haut ist das Bild komplizierter.
Wenn hartes Wasser auf Seife oder Reiniger trifft, reagieren Calcium- und Magnesium-Ionen mit den Tensiden, den eigentlichen Reinigungsstoffen, und bilden unlösliche Verbindungen. Einfacher gesagt: Hartes Wasser macht Seife schwerer abspülbar. Der Rückstand bleibt nach dem Waschen auf der Haut und kann zu der Trockenheit und dem Spannungsgefühl beitragen, von denen viele Menschen berichten.
Dahinter steht eine kontrollierte Studie. Danby und Kollegen (2018, n=80) fanden, dass Waschen mit hartem Wasser deutlich mehr Tensid-Rückstand auf der Haut hinterließ als weiches Wasser, und dass dieser Rückstand mit einem messbar erhöhten transepidermalen Wasserverlust (der Rate, mit der Feuchtigkeit durch die Haut entweicht) und mit Reizungen einherging. Am deutlichsten war der Effekt bei Menschen mit einer Filaggrin-Genvariante, die mit besonders empfindlicher Haut in Verbindung steht. Einen klaren Effekt von Chlor fand die Studie bei den getesteten Konzentrationen nicht; die entscheidende Variable war die Wasserhärte.
Diese Unterscheidung ist wichtig, denn das Mineral-Thema und das Chlor-Thema sind getrennt, und wer das eine angeht, erledigt nicht automatisch das andere. Bevölkerungsdaten bei Erwachsenen zeigen in dieselbe Richtung: In der Dänischen Blutspenderstudie (Henning und Kollegen, 2021) gaben Menschen, deren Wasser härter als 24 °dH war, etwas häufiger trockene Haut an, mit einem Odds Ratio von 1,22. Wie alle Bevölkerungsdaten zeigt das einen Zusammenhang und kann keine Ursache belegen.
Und was ist mit Chlor?
Ob Leitungswasser Rest-Chlor enthält, hängt vom Versorger ab. In Großbritannien wird Leitungswasser gesetzlich gechlort, und ein kleiner Rest bleibt bis zum Hahn im Wasser. Nicht jede Stadt macht das: Das Berliner Wasser wird überhaupt nicht gechlort.
Wo Wasser gechlort wird, kann ein Vitamin-C-Duschfilter freies Chlor neutralisieren; mehr dazu weiter unten. Das ist eine Eigenschaft des Filters, keine Aussage über eine Wirkung auf die Haut.
Die Studienlage zu Chlor und Haut ist ohnehin gemischt. In der Danby-Studie erhöhte Chlor die Hautreizung unter kontrollierten Bedingungen nicht eindeutig. Chlor und Wasserhärte sind zwei getrennte Faktoren, und von beiden ist die Härte deutlich besser belegt.
Der pH-Faktor
Auch eine dritte Variable spielt eine Rolle, und sie bekommt weniger Aufmerksamkeit, als sie verdient.
Gesunde Haut ist leicht sauer. Ihr pH-Wert an der Oberfläche liegt im Mittel knapp unter 5, was den Mikroorganismen zugutekommt, die normalerweise auf ihr leben (Lambers und Kollegen, 2006). Wasser ist anders: Thames Water gibt für seine Zone im Zentrum Londons einen pH-Wert von 7,7 bis 8,2 an, und eine Übersichtsarbeit zur Hautreinigung fand, dass schon das Abspülen mit reinem Wasser den pH-Wert der Hautoberfläche für einige Stunden anhebt.
Wer in einer Stadt mit hartem Wasser lebt, sollte den pH-Wert des Wassers kennen. Hartes Leitungswasser ist durch das gelöste Hydrogencarbonat stark gepuffert, deshalb behaupten wir nicht, dass ein Duschfilter seinen pH-Wert verlässlich verändert, und nichts davon ist eine Behandlung von Hauterkrankungen.